Naturfotografie – Vögel in der Stadt und Umgebung

Bildanalyse und Bewertung
17. Februar 2017

Naturfotografie: Vögel in der Stadt und Umgebung


Leider habe ich, so wie viele andere auch, viel zu wenig Zeit (Geld) für ausgiebigen Urlaub und Fotoreisen. Was nur machen mit den restlichen Tagen und Wochen im Jahr? Genau, einfach raus gehen und in der Stadt und im ländlichen Umfeld der Stadt fotografieren. Ein ausgiebiger Spaziergang mit meinen Hunden in einen am Stadtrand gelegenen Park, mal ein Tagesausflug in den Wienerwald oder an den Neusiedlersee ist immer was Feines.

Und wie es sich für einen ambitionierten Fotografen gehört natürlich alles mit Kamera und das bei jedem Wetter. In jedem Fall eine "win-win" Situation, es ist gesund und als Belohnung nimmt man schöne Fotos mit nach Hause. So mache ich es seit vielen Jahren und die Tierfotografie liegt mir besonders am Herzen. Leider ist es aber so, dass sehr selten das Rotwild am Waldrand posiert. Aber was es immer gibt sind Vögel. Und die zu fotgrafieren ist einfach wunderbar.

Was brauchts für die Vogelfotografie? Für den Anfang nicht viel. Kommt man den Tieren sehr nah wie z.Bsp.: im Tiergarten Schönbrunn, reicht auch eine ganz einfache Kompaktkamera. Will man mehr und von weiter weg, lohnt sich die Anschaffung einer Spiegelreflexkamera und eines Teleobjektivs. Und wohin? Also ich würde allen Einsteigern als erste Anlaufstelle zuerst mal den Tiergarten Schönbrunn empfehlen. Schönbrunn ist immer einen Besuch wert.

Tiergarten Schönbrunn ::: Bilder 1-4
Die Tiere im Tiergarten Schönbrunn präsentieren sich meist majestätisch und in stoischer Ruhe. Pelikane, Kormorane und Pinguine sind auch immer gut drauf und es macht Spaß ihnen zuzusehen. Hier kann auch ein unerfahrener Fotograf ganz tolle Bilder machen, wenn es denn sein muss auch im Automatikmodus der Kamera. Ein guter Bildschnitt und die Freude über die gemachten Bilder ist garantiert.
Spaziergänge in den Parks ::: Bilder 5-9
Bald aber will man mehr. Um Tiere aus größerer Entfernung zu fotografieren braucht es zumindest ein mittleres Teleobjektiv, idealerweise so um die 70-200mm Brennweite. Damit kann man aus entsprechender Entfernung die Tiere wunderbar beobachten und fotografieren. Zum Beispiel eine Meise beim Anflug zu einem Futterhäuschen, auch mal einen Turmfalken im Abendlicht oder im Winter die Möven am nahegelegenen Teich. Und hier kommt nicht nur ein Teleobjektiv zum Einsatz sondern auch der Automatikmodus will verlassen werden.
Vorgehensweise Bild 5, Meise im Anflug auf das Futterhäuschen.
Rasch wird man feststellen, dass nicht nur eine entsprechende Verschlusszeit, so 1/1000 und kürzer, zur Vermeidung von Bewegungsunschärfe eingestellt werden muss, sondern, dass man bei so flinken und kleinen fliegenden Exemplaren wie einer Meise aus großer Distanz auch Probleme beim Fokussieren hat. Die Abhilfe liegt in diesem Beispiel hier auf der Hand. Manueller Fokus auf das Futterhäuschen, mit Geduld und ein bisschen Glück kommt die Meise genau in die richtige Distanz für den perfekten Schuß. Ein Stativ und Fernauslöser sind genau hier ebenfalls gute Helfer, da bleibt die Fokussierung stabil und man kann auch die Meisen beobachten und im genau richtigen Moment den Auslöser betätigen. Also Zeitvorwahl eingestellt, Blende und ISO der Kamera überlassen, manueller Fokus gewählt, Stativ und Fernauslöser und los gehts.
 
Vorgehensweise zu Bild 6, Turmfalke im Abendlicht.
So wie bei bewegten Bildern wird auch hier der Automatikmodus verlassen. In der Abenddämmerung haben wir wenig Licht. Um mehr Licht auf den Sensor zu bekommen benötigen wir eine offene Blende. Also Blendenvorwahl auf die größtmöglichste Blende (kleinster Wert auf dem Rädchen) eingestellt und den Rest ebenfalls der Kamera überlassen. Aber aufgepasst, auch wenn das Motiv sich nicht bewegt, auf die Verschlusszeit der Kamera achten wegen der Verwacklungsgefahr. Um ganz sicher zu gehen empfiehlt sich auch hier der Einsatz von Stativ und Fernauslöser.

ISO ?
Was ist aber mit der dritten Komponente der Belichtung, der ISO ? Klar ist, je höher der ISO Wert der Aufnahme um so mehr Rauschen wird das Foto haben. Aus meiner Sicht zum Stand der heutigen Kameratechnik ist das in den meisten Fällen vernachläßigbar, denn heutige Kameras schaffen auch mühelos hohe ISO-Werte. Notfalls gibt es auch Bildbearbeitungsprogramme, die recht zuverlässig dieses lästige Rauschen entfernen. Und, lieber ein etwas verrauschtes Bild als gar keines =)
Vorgehenweise Bilder 7-9, Möven im Teich.
Analog zum Bild 6, ist es auch hier so, dass man die "Komfortzone", sprich den Automatikmodus verlassen muss. Die Möven sind so schnell, dass man hierbei schon etwas Übung braucht um sie in Bewegung zu fotografieren. Die Verschlusszeit habe ich so kurz als möglich eingestellt, die vorliegenden Bilder wurden mit Verschlusszeit 1/3200 fotografiert. die Blende war auf 4, also komplett geöffnet und der ISO Wert bewegte sich, dank Sonnenschein, so zwischen 400-800 ISO. Natürlich auch mit dem Tele 70-200 und alles aus der Hand um den Bewegungen folgen zu können. Zum Fokussieren stellte ich meine Kamera von "One Shot" auf "Servo" also Verfolgungsmodus mit mehreren mittleren Fokuspunkten. Das funktioniert und immer wieder bin ich überrascht wie gut. Jedenfalls sind die Resultate im Verfolgungsmodus gegenüber dem "One Shot" in dieser Situation wesentlich besser.

Greifvogel-Flugshow fotografieren
Nur wenige Kilometer von der Stadt entfernt liegt die Burg Kreuzenstein. Es lohnt sich die Greifvogel Flugshow mal zu besuchen. Analog gilt auch hier, wie oben beschrieben, Teleobjektiv und kürzeste Verschlusszeiten. Bei den Bildern 10-12 habe ich 1/2000 verwendet, daher sieht man keine Bewegungsunschärfe in den Bildern.
Beim Bild Nr. 13 wollte ich etwas Dynamik rein bringen und habe eine Verschlusszeit von nur 1/400 verwendet. Man sieht in dem Bild auch die Bewegungsunschärfe wie der Falke sich seine Beute krallt.
Fotografieren rund um den Neusiedlersee
Für die Tiere sowie für Vogelkundler und Naturfotografen ein Paradies. Auch wenn man die Großtrappen bei Andau meist aufgrund der Entfernung nicht wirklich gut ins Bild bringt, lohnt es sich den anderen Vögeln zuzusehen und sie zu fotografieren.
 
Erklärung zu Bild 14 und 15.
Ein Schauspiel sondergleichen bieten die Bienenfresser bei Weiden. Am besten zu fotografieren am Nachmittag wo sich die Sonne sanft an die Weinberge schmiegt. Hier gilt alles was oben beschrieben wurde. Sowie auch bei Bild Nr 15, denn mit etwas Glück fliegt vielleicht auch mal ein Storch vorbei. Wer aber Störche in Überfluss sehen will, der fährt nach Marchegg, dort ist eine langjährige Storchenkolonie zu sehen. Am schönsten ist es Anfang Juli, wenn die Jungstörche ihre ersten Flugübungen absolvieren.

Und direkt am Neusiedlersee kann man sich im Frühjahr auch an einfachen Motiven wie einer vorbei ziehenden Graugansfamilie Bild Nr 16 erfreuen. Wenn man ein bisschen Zeit investiert und sich länger am Schilfgürtel aufhält, gibt es unzählige Motive, sprich Vogelarten zu fotografieren.
Das Bild Nr 17 z.Bsp. zeigt vorbeifliegende Löffler, in Photoshop auf schwarzweiß getrimmt. Mit dieser Aufnahme habe ich auch beim Tower Circuit 2016 die PSA (Photographic Society of America) Goldmedaille in Naturfotografie gewonnen.
 
 
Ich hoffe mit dieser Abhandlung gerade den Fotografie-Einsteigern etwas geholfen zu haben. Geht einfach raus und macht schöne Bilder. Wie ihr seht, ist es nicht so, dass gerade eine Superkamera die besten Bilder macht. Nein, auch mit einfachen Mitteln könnt ihr schöne Ergebnisse erzielen. Also, Schweinehund überwinden, raus aus den vier Wänden bei jedem Wetter, Fotoapparat umhängen und schöne Bilder machen.

"Hab Mut, glaub an deine Träume, geh neue Wege, fotografiere mit dem Herzen und du wirst Spuren hinterlassen."


Über den Autor: Fritz KrambergerJahrgang 1951, geboren in Wien, certified Prozessmanager AE, absolvierte in der Kindheit eine zwar solide, aber damals ungeliebte klassische Musikausbildung. Nach humanistischem Gymnasium, HTL und später nebenbei Donau-Uni Krems verdiente er notgedrungen sein täglich Brot 42 lange Jahre vorerst im Konsum Österreich (20J) und den Rest der Zeit bis zur Pensionierung bei der Bank Austria. In den 70er Jahren erinnerte er sich wieder an seine Musikausbildung und beschäftigte sich wieder freizeitmäßig mit Musik. Bis vor kurzem war er aktiver Songwriter, Freizeitmusiker und Bandleader, spielte in den 70ern und 80ern in angesagten Bands wie "Babylon" und 2005 gründete er seine eigene Rockformation "DIBO", genannt nach seinem über alles geliebten Hund. Viele erfolgreiche öffentliche Auftritte und mehrere Schallplatten- und CD-Produktionen folgten bis er sich 2014 als Musiker nach und nach bühnenmäßig zurückzog. Aus einem glücklichen Zufall heraus lernte er zu dieser Zeit die Kollegen des Fotoklub NF10 kennen und schloss sich ihnen an. Seit diesem Zeitpunkt war die Fotografie das Hobby Nr 1. Und wie mit allem was er so treibt, machte er es gründlich, so dass die Erfolge nicht lange auf sich warten ließen. Auszeichnungen bei nationalen sowie internationalen Fotosalons folgten und 2015 wurde er Wiener Landesmeister in künstlerischer Fotgrafie und 2016 krönte er seine bisherige fotografische Laufbahn mit dem österreichen Staatsmeistertitel.

Best of Schallplatten und CD's

5 Comments

  1. P't'r sagt:

    Ein toller Beitrag. Beim Lesen bekomme ich Lust auf die Tierfotografie. Daher: Jahreskarte gekauft und mit der Kamera „bewaffnet“ auf in den Zoo…

  2. Manfred sagt:

    Einfach super
    Danke für die Tipps

  3. Erich sagt:

    Eine sehr übersichtliche und Ausführliche Information zur Vogel Fotografie, finde ich ganz toll.
    Super Auftritt.

  4. Magdalena Müllner sagt:

    Einfach super, deine Erklärungen und Aufforderung bzgl. fotografieren! Du machst dies alles mit Herz und sehr professionell!
    Weiterhin viel Spaß und Erfolg!

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *