Bildanalyse und Bewertung

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Einleitung: Den nachfolgenden Artikel habe ich in meinem Festplattenarchiv (wieder)gefunden. Wahrscheinlich habe ich den Text irgend wann mal im Internet gefunden und herunter geladen. Der Autor ist mir leider nicht bekannt, daher kann ich auch keine Quelle nennen. Ich bin der Meinung, in den folgenden Zeilen steckt viel Wahres drinnen. Denn wie oft waren wir schon versucht ein Bild rein nur auf „gefällt mir“ oder „nein, gefällt mir nicht“ zu bewerten, ohne weiter zu hinterfragen welchen Zweck das Bild erfüllen soll. Ich habe diesen Zeilen keine Fotos beigefügt, er ist also rein nur zum Lesen. Aber ich bin überzeugt, dass der Leser nicht enttäuscht sein wird und der Artikel, auch ohne Bildmaterial, hilfreich ist und ein bisschen nachdenklich stimmt, speziell dann wenn ihr um eure Meinung zu einem bestimmten Bild gefragt werdet.

Über Diskussionsbeiträge würde ich mich sehr freuen, denn dieses Thema verlangt einfach einen offenen und konstruktiven Meinungsaustausch.

Bildanalyse & Bewertung

Die Fotografie ist subjektiv! Doch Subjektivität bedeutet nicht, dass Sie sich kein Urteil erlauben dürfen. So lange Sie es fundiert begründen und unsachliche, zu persönliche Argumente vermeiden. Doch wie wird ein Urteil fundiert? Was ist die Basis einer guten Bildanalyse und anschließenden Bewertung? Diesen Fragen werden wir auf den folgenden Seiten nachgehen.

Sehen Sie ein Foto, entscheiden Sie innerhalb weniger Sekunden(-bruchteilen) darüber, ob es Ihnen „gefällt“ oder „nicht gefällt“, ob Sie es „gut“ oder „schlecht“ finden. Dieses erste schnelle Urteil entspringt einem Bauchgefühl und spontan ausgelösten Assoziationen und Emotionen. Es ist hochgradig subjektiv und daher auch nicht auf jemanden anderen übertragbar. Es hat keinerlei Allgemeingültigkeit – und doch ist genau dieses individuelle Urteil nicht selten die Basis für Gespräche über die Qualität eines Bildes. Wahrscheinlich kennen Sie genau solche Diskussionen aus Ihrem eigenen fotografischen Alltag sehr gut: Sie werden schnell hitzig und unsachlich, da jeder Diskussionsteilnehmer davon überzeugt ist, dass seine persönliche Meinung richtig ist – und das natürlich völlig zu Recht. Sie ist richtig, für diesen einen Menschen. Doch übertragbar, fundiert oder gar objektiv ist sie nicht, was Sie ungeeignet macht für eine sachliche Diskussion über Bilder.

Für die Bewertung eines Bildes müssen also andere Parameter angewendet werden als das individuelle subjektive Urteil, das bei jedem Menschen unmittelbar auf die Wahrnehmung eines Bildes folgt. Dies macht die Tatsache, ob Ihnen ein Bild „gefällt“ oder „nicht gefällt“ nicht weniger wichtig für Ihre ganz persönliche Meinung, doch sollte sie in den Hintergrund rücken, wenn Sie sich mit anderen über die Aufnahme austauschen.

Statt eines Gesprächs über das persönliche Gefallen, sollten Sie sich dann einen gemeinsamen Rahmen erarbeiten, auf den Sie sich alle in Ihren Argumentationen beziehen können. Dieser kann nur auf einer analytische Betrachtung des Bildes basieren und in einem Abgleich des Analyseergebnisses mit einem definierten Ziel gipfeln.

Der Zweck als Bewertungskriterium

Noch vor der (technischen) Bildanalyse beginnt eine fundierte Bewertung mit der Definition eines Bildziels. Denn eine Aufnahme ist nie für sich alleine, in jeder Hinsicht oder zu jeder Zeit gleich gut oder schlecht. Ganz im Gegenteil kann sich die Qualität eines Bildes ändern, je nachdem wie der Zweck, die Ausrichtung, das Ziel des Bildes definiert wird.

Sobald Sie sich diese Mühe machen, wird aus einer individuellen Geschmacksäußerung („gefällt mir“/“gefällt mir nicht“) eine fundierte Bewertung, die auch ganz anders formuliert werden sollte, um dadurch dem Anspruch nach Objektivität und Sachlichkeit näherzukommen; sie sollte lauten: „Dieses Bild ist gut geeignet, diesen oder jenen Zweck zu erfüllen!“ – oder: „Es ist dafür weniger gut oder gar nicht geeignet“.

Was im ersten Moment vielleicht etwas konstruiert auf Sie wirkt, bekommt ganz schnell eine Eigendynamik, wenn Sie einmal diese Argumentationskette zulassen. Ehe Sie sich versehen, werden Sie Ihrem persönlichen Geschmacksempfinden immer weniger Raum geben und Bilder distanzierter und differenzierter bewerten.

Und das gilt übrigens nicht nur für die Bilder anderer Fotografen, die Sie sehen und auf die Sie reagieren, sondern auch für die eigenen, die Sie zwar als „Fotograf“ machen, aber auch als „Betrachter“ beurteilen können und sollten. Um ein Beispiel zu nennen: Das leicht verwackelte Bild von einem Kleinkind, dass mit verschmiertem Gesicht in die Kamera lacht, ist ein wunderbares Erinnerungsbild für jeden, der das Kind kennt und sich ihm emotional verbunden fühlt. Es ist sehr gut geeignet, einen prominenten Platz im Familienalbum zu bekommen. Dasselbe Bild ist aber sicherlich weniger gut geeignet, um bei einem Fotowettbewerb auf die vorderen Plätze zu kommen, da die fremden Personen in der Jury nichts mit dem Kind verbinden, sich an technischen Makeln stören und vergleichbare Bilder bereits zuhauf gesehen haben. Für sie ist die Aufnahme nichts Besonderes und daher auch nicht sonderlich hoch zu bewerten.

Oder: Die technisch perfekte, formatfüllende Makroaufnahme von einer Hibiskusblüte, die Sie während Ihres Kanarenurlaubs aufgenommen haben, ist gut geeignet, bei einem Wettbewerb eingereicht zu werden. Als Erinnerungsbild für den Tag am Strand werden Sie sie hingegen als weniger gut geeignet einordnen.

Die beiden Beispiele machen deutlich, dass nicht die technische Qualität, die bildgestalterische Raffinesse und auch nicht das inhaltliche Motiv selbst entscheidet, ob ein Bild „gut geeignet“ oder „schlecht geeignet“ ist. Ganz im Gegenteil sind diese Aspekte eines Bildes ausschließlich im Hinblick auf die Funktion des Bildes zu bewerten, weil es durchausauch Ziele gibt, bei denen beispielsweise die Technik nachrangig hinter dem Motiv steht.

Welchen Zweck können Bilder haben?

Der wohl wichtigste und am weitesten verbreitetste Zweck für ein Bild ist die persönliche Erinnerung an einen Moment. Nicht umsonst werden die meisten Kameras gekauft, weil ein großer Urlaub ansteht oder ein Kind auf die Welt kommt. Sicherlich sind diese unzähligen, privat ausgerichteten Bilder überwiegend im Amateurbereich anzusiedeln, doch auch ein (Semi-)Profifotograf wird die schnellen Schnappschüsse kennen, die mal ohne ausgefeiltes Licht, ohne besondere Technik, ohne Nachbearbeitung und aus der Hüfte mit der Handykamera entstehen. Wenn man sich bewusst macht, dass dieser (Semi-)Profi diese Bilder sicherlich nicht neben seinen aufwendig erarbeiteten Bildern auf der eigenen Homepage zeigen wird, versteht man, dass deren Zweck eben ein anderer ist. Erinnerungsbilder sind für den privaten Gebrauch und in der Regel auch nicht für fremde (nicht verwandte, nicht befreundete, nicht in den Erinnerungsmoment involvierte) Augen bestimmt. Erwarten Sie also auch kein großes Lob aus fremden Kreisen, wenn Sie den in der Familie hoch gelobten Schnappschuss Ihres Kindes veröffentlichen oder bei einem Wettbewerb einreichen.

Ein weiterer großer Bereich, auf den Fotografien ausgerichtet sein können, ist die Werbung für ein Produkt. Diese verfolgt in allererster Linie das Ziel, den Betrachter zu alarmieren, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und damit auch auf die Marke und das Produkt. Gleichzeitig wird ein Image transportiert beziehungsweise bedient, dass entweder durch das Wesen des Produktes oder die Ausrichtung auf eine Zielgruppe definiert wird. Werbefotografien müssen also nicht „schön“ sein oder „gefallen“, sondern können durchaus auch eine aufrüttelnde, irritierende oder sogar störende Wirkung entfalten, um den Betrachter zu aktivieren und die Marke in seinem Kopf zu platzieren. Wir erinnern uns da zum Beispiel an die Benetton-Kampagnen der letzten dreißig Jahre, die viel Kritik ausgelöst, aber auch dafür gesorgt haben, dass die Marke in aller Munde war und die Firma trotz der ablehnenden Haltung vieler Betrachter keinerlei Umsatzeinbußen dadurch hatte – ganz im Gegenteil. Und auch die Tatsache, dass wir hier an dieser Stelle dieses Beispiel nennen, zeigt, wie wirkungsvoll die Kampagne im Hinblick auf das Ziel der Werbung war.

Die journalistische, berichterstattende Fotografie verfolgtgenauso wie die Paparazzi-Fotografie einzig das Ziel, etwas oder jemanden zu zeigen. Der Zweck ist ausschließlich inhaltlich ausgerichtet und eine gewisse technische Unperfektheit erhöht noch die Beweiskraft oder Authentizität der Bildwirkung. Eine Heidi Klum perfekt geschminkt in perfektem Licht vor weißer Studiowand wirkt nicht dokumentarisch, sondern inszeniert und wäre als Titelbild der „Bunte“ nicht geeignet. Dieselbe Frau unscharf mit Sonnenbrille dabei zu zeigen wie sie ihren Einkaufswagen belädt, wird beim Betrachter hingegen hohe Glaubwürdigkeit auslösen und den Zweck der Berichterstattung erfüllen. Natürlich ist Berichterstattung auch nicht gleich Berichterstattung: Eine verwackelte Heidi Klum in der „Süddeutschen“ wird bei der Leserzielgruppe nicht so gut aufgenommen werden wie bei der Zielgruppe der „Gala“.

Das vierte große Feld der Fotografie ist die Kunst. Der Begriff Kunst soll hier in dem Sinne verstanden werden, dass sie sich selbst dient und allein den Zweck verfolgt zu gefallen. Und zwar jemandem zu gefallen, einer bestimmten Person oder Personengruppe. Allumfassend verstanden, kann die künstlerische Fotografie erstmal alles sein, jeder Stil, jedes Motiv, jede Gestaltung und Technik kann künstlerisch ausgerichtet sein. Die Aufnahme kann also ästhetisch gestaltet sein, schön oder aber auch hässlich, provokant und irritierend. Konkret bedeutet dies aber, dass der Geschmack der Zielgruppe bekannt sein muss, um zu wirken. Zielgruppe ist an dieser Stelle vielleicht ein Galerist, vielleicht ein Käufer, vielleicht die Besucher einer Website oder Community im Internet oder die Jury eines Wettbewerbs.

Ziel des Fotografen ist es in jedem Fall, bei genau diesen Leuten positive Bestätigung für seine Arbeit zu bekommen – entweder durch Verkäufe, hohe Besucherzahlen bei einer Ausstellung, hohe Klickzahlen im Internet, viele Annahmen oder Platzierungen bei einer Wettbewerbsjury, viele Gästebucheinträge auf der Homepage und viel, viel Lob, Anerkennung und Zuspruch. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Fotograf den Geschmack genau seiner Zielgruppe bedienen; für diesen – in der Regel doch verhältnismäßig kleinen – Personenkreis ist das Bild dann „geeignet“, für eine andere Gruppe hingegen ist es „nicht geeignet“, da diese vielleicht ein anderes Thema, eine andere ästhetik oder Präsentation bevorzugt. Leider wird in diesem Bereich der Fotografie am häufigsten der Fehler gemacht, Lob und Anerkennung mit objektiven Qualitätsurteilen gleichzusetzen. Dies ist nicht der Fall, auch hier ist das Bild lediglich für eine ganz bestimmte Zielgruppe zu einem ganz bestimmten Zweck geeignet!

Den individuellen Zweck eines Bildes können Sie schnell bestimmen – entweder durch das Bild selbst: Eine Frau mit Rucksack und Sonnenbrille vor dem Eifelturm ist sicherlich kein Topmodell, das für eine Autokampagne wirbt, sondern selbstverständlich die Reisebegleitung des Fotografen. Oder durch den Präsentationskontext: Plakate sollen werben, Familienalben erinnern, Galerien Kunst zeigen und verkaufen, Zeitungen Bericht erstatten, Wettbewerbseinreichungen gleichgesinnten Wettbewerbsfotografen und der Jury gefallen und so weiter.

Die Zielgruppe

Nachdem Sie sich das Ziel des zu bewertenden Bildes klargemacht haben, sollten Sie sich Gedanken über die jeweilige Zielgruppe machen. Welche das ist, lässt sich aus dem Ziel, aber auch aus der Art und dem Ort der Präsentation ableiten. Erst wenn Sie die Zielgruppe eines Bildes kennen, können Sie beurteilen, inwieweit das Bild bei ihr eine bestimmte Wirkung auslöst. Wobei „wirken“ nicht zwangsläufig auch „gefallen“ heißt. Zwar gibt es viele Bilder, die auf eine subjektiv positive Reaktion des Betrachters ausgerichtet sind, doch oft sollen auch ganz bewusst andere Emotionen erzeugt werden. Gerade in der Werbung wird oft mit Angst und Drohung gearbeitet, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu wecken und ihm – oft drastisch überhöht – vor Augen zu führen, was ihn erwartet, wenn er das Produkt nicht kauft. Aber auch in der Reportage oder Sozialfotografie geht es nicht darum, alles schön zu zeichnen. Kriegsberichtserstattung zum Beispiel soll den Betrachter aufrütteln und ihm das Leiden und die Zerstörung nahebringen, sie nachempfindbar machen. Und in der Fotokunst im engeren Sinne geht es vor allem darum, zu irritieren, Erwartungen nicht zu erfüllen und den Betrachter so zum Nachdenken zu bringen.

Von einem Ziel und einer Zielgruppe zu sprechen, scheint für die semiprofessionelle oder gar Amateurfotografie etwas überzogen zu sein. Doch auch und gerade dort ist es sehr hilfreich, sich zu fragen, wer die Zielgruppe der eigenen Bilder ist. Sehen Sie ausschließlich sich selbst in dieser Rolle, dann zählt für die Bewertung auch nur Ihre eigene Meinung. Zeigen Sie die Bilder jedoch auch jemandem anderen, erweitern Sie die Zielgruppe beziehungsweise müssen Sie damit rechnen, dass die Meinungen über die Qualität der Aufnahmen auseinander gehen. Sie sollten dann also auch nicht irritiert, verärgert oder beleidigt auf negative Kritik reagieren. Stattdessen passen Sie bei Ablehnung entweder die Zielgruppe an – suchen sich Befürworter, andere Ausstellungsflächen oder zeigen Ihre Bilder gar nicht – oder Sie verändern Ihre Fotografie – richten Sie stärker auf die Zielgruppe aus, machen so lange etwas anders, bis Sie den Zuspruch genau dieser Zielgruppe bekommen. Der zweite Weg ist gerade in der Wettbewerbsfotografie weit verbreitet, wodurch Studieren von Wettbewerbskatalogen und dem Zusammenschluss mit Gleichgesinnten der Stil des Wettbewerbs herausgefunden und dann gezielt dafür fotografiert wird. Im Prinzip entstehen die Bilder dann genau für die konkrete Jury eines konkreten Wettbewerbs.

Das heißt, es findet für den Fotografen ein Wechsel der Perspektive statt: Weg von „gefällt mir“ hin zu „ist geeignet“, bei der jeweiligen Zielgruppe die geplante Wirkung zu erzielen.

Bildanalyse und Bewertung

Um ein Bild zu analysieren, werden folgende Punkte durchlaufen – mit genügend Übung geht das innerhalb weniger Sekunden.

– In welchem Kontext wird das Bild präsentiert?

– Unter welchen Bedingungen sieht die Zielgruppe das Bild?

– Was ist das Ziel des Bildes?

– Was ist abgebildet?

– Welche Wirkung, welche Emotionen und Assoziationen werden allein durch das Motiv transportiert?

– Welche Bildgestaltungsmittel wurden (bewusst oder unbewusst) durch welche Technik mit welcher Ausprägung und welcher Wirkung eingesetzt?

Dafür werden die einzelnen Gestaltungsmittel separat untersucht, gewichtet und diese Einzelwirkungen anschließend zusammengeführt! Unterschiedliche Gestaltungsmittel können dabei durchaus auch mal verschiedene Wirkungen erzeugen, wie etwa Ruhe auf der einen und Dynamik auf der anderen Seite. Die Kombination aller Gestaltungsmittel erzeugt erst die eigentliche Bildwirkung.

– Passen diese Einzelwirkungen zusammen?

– Ergeben Sie ein Ganzes mit klarer, entschiedener Wirkung?

– Passt diese Wirkung zum Motiv?

Auf die Bildanalyse folgt die Bildbewertung. Diese vergleicht im Prinzip nur noch den (gegebenenfalls auch nur hypothetischen) Zweck des Bildes mit dessen (analysierter) Wirkung

– Passt die Bildwirkung zum Ziel?

Ist es also für die Zielgruppe im Hinblick auf das Ziel geeignet?

Um mit anderen fundiert über ein Bild diskutieren zu können, halten Sie sich also an diese einzelnen Aspekte, anhand derer es sich auch tatsächlich argumentieren lässt, ohne persönlich oder unsachlich zu werden. Bleiben Sie dabei stets nah am Bild und lassen Sie Ihren eigenen Geschmack außen vor.

Quelle: Internetfund, unbekannt

3 Comments

  1. Nun, dass dieser Text kein Bild enthält ist ja nicht unbedingt ein Nachteil. Denn persönlich finde ich Texte, die das Thema Fotografie zum Inhalt haben, mit wenigen oder gar keinen Bildern, oft interessanter. Da Bildmaterial sehr oft auch ablenkt von den eigentlichen Gedanken zum Thema.

    Einer Fotografie nicht „subjektiv“ zu begegnen ist nahezu unmöglich. Jede Fotografie löst beim Betrachter in irgendeiner Form eine emotionale Reaktion aus. Es muss allerdings nicht sein, dass diese Reaktion nur für einen Menschen Gültigkeit hat, dass kann durchaus für mehrere Betrachter die gleiche Gültigkeit haben. Im Normalfall ist die emotionale Reaktion auf eine Fotografie aber eher kein Gruppenereignis.

    Nun, eine ersthafte Bildbesprechung muss immer über das „Gefällt mir“ hinausgehen. Das „Gefällt mir nicht“ gibt es ja sozusagen z.B. in den sogenannten Sozialen Medien ja eh nicht. Ich persönlich finde auch den Begriff Bildbesprechung oder Ideenfindung zu einer Fotografie auch viel passender als eine Bewertung. Dieser Begriff suggeriert etwas ganz anderes und hier schwingen schon die Begriffe Gut und Schlecht mit.

    Ob der Zweck, z.B. eine bestimmte Emotion zu wecken getroffen worden ist, ist natürlich eine gute Grundlage für eine eine Bildbesprechung. Doch traue ich mich zu sagen, dass bei den meisten Amateurfotografen in den meisten Fällen nicht unbedingt ein Zweck bei der Entstehung eines Bildes im Hinterkopf ist. Wobei bei vielen doch auch der Verwendungszweck „Wettbewerb“ eine wichtige Sache ist. Es ist wie bei einem Berufsfotografen, der eine bestimmte Aufnahme macht. Kommt diese beim Kunden gut an, dann hat Sie Ihren Zweck erfüllt. Doch die Beschäftigung mit einem Hobby ist sehr oft nicht immer an einen Zweck gebunden – zumindest nicht unbedingt bei einem Bild – sehr oft ist es die Beschäftigung mit der gesamten Materie Fotografie, die dann als Ergebnis ein Bild liefert, sozusagen zweckfrei ist. Trotzdem kann dann bei solch einem Foto in der Bildbesprechung festgestellt werden, dass es ein hervorragendes Fotos ist – sowohl in technischer als auch in inhaltlicher Hinsicht.

    Im Text wird das Thema Wettbewerb wieder angesprochen. Der Zweck einer Fotografie sollte in keinster Weise darin bestehen, bei einem Wettbewerb etwas zu erzielen. Steht der Wettbewerb am Ende der Bildkette, dann fotografiert man für den Wettbewerb – konform mit dessen Anforderungen. Aber man fotografiert dann nicht mehr nach den eigenen Anforderungen.

    Was ist eigentlich ein (Semi)-Profi? Warum streben eigentlich sehr, sehr viele Amateurfotografen danach als (Semi)-Profi angesehen zu werden? Was ist so schlimm daran, wenn man an seiner Beschäftigung mit der Fotografie eigentlich nur Freude und Spass zieht und keinen professionellen Anspruch entwickelt.

    Nun ob z.B. das oder die Fotos, die z.B. im Text im Bereich der Werbung erwähnt werden,so großes Interesse erweckt hätten ohne einen Bezug auf die Firma, die diese Werbung schaltet wäre auch interessant zu hinterfragen.

    Ob die Kunst im Allgemeinen und die Kunst im speziellen in der Fotografie nur den Zweck erfüllt zu gefallen, wäre auch eine Sache die man hinterfragen könnte und auch sollte.

    Rutsch ein Fotograf in die Schiene „Meine Fotografien müssen und sollen anderen gefallen“ so ist er meiner Meinung nach verloren. Nun, objektive Qualitätskriterien sind meiner Meinung auch nur in Fotografenkreisen wirklich interessant. Menschen, die bei kleineren regionalen Kunstmärkten Bilder erwerben haben meist kein Interesse daran, wie das Bild objektiv abschneidet – da geht es nur darum ob es dem Käufer gefällt oder nicht. Manchmal sogar aus einem völlig anderem Grund, warum der Fotograf dieses Bild eigentlich gemacht hat.

    Ich bin ganz dabei,sich über die Zielgruppe seiner Fotografie Gedanken zu machen, wenn man für Geld Fotografien für bestimmte Zwecke anfertigt. Doch sollte das nicht der Fall sein, dann fotografiert man meiner Meinung nach, nicht wie man selbst. Für eine bestimmte Jury zu fotografieren, empfinde ich überhaupt als Unsinn. Ich denke es gibt keine ernsthaften Fotowettbewerbe, bei denen sich die Jury von einen zu anderem mal nicht aus anderen Menschen zusammensetzt. Wenn nicht, wäre das sehr seltsam!

    Sich allgemeinen Richtlinien anzupassen für auf alle Fälle zu einem fotografischen Einheitsbrei, den man ja auch derzeit sehr gut beobachten kann.

    Bildbesprechung ist ein wichtiger Prozess, sowohl mit den Bildern von anderen als auch mit den eigenen Bildern. Sich die eigenen Bilder immer wieder anzusehen und zu hinterfragen und zwar ehrlich und ungeschönt, ob diese Bilder noch den eigenen Zugang zu Fotografie zeigen, ist wichtig und sollte regelmässig getan werden.

    Gerade im Amateurbereich wird die Fotografie viel zu kommerziell gesehen und das „professionelle“ wird viel zu sehr herausgestrichen. Oft sind professionelle Bilder aber nicht mehr als Kalenderfotos oder Postkartenmotive, die eben für einen bestimmten Zweck für einen bestimmten Kunden gemacht worden sind.

    Nun, falls ich bei dem einen oder anderen Gedanken etwas abgeschweift sein sollte, dann bitte ich um Nachsicht. Auch wenn man mit so machen Gedanken aus diesem Artikel nicht unbedingt einverstanden ist, so hat er doch dazu angeregt über diese Thematik nachzudenken …

    Herbert Koeppel FineArt Photography and Workshops – http://www.herbertkoeppel.comhttp://www.naturfotoworkshop.at

  2. Hans Lahodny sagt:

    Alles in allem ein durchaus sinnvoller Artikel über die Betrachtungsweise von Bildern. Doch meiner Meinung ist der erste (subjektive ) Eindruck eines Bildes doch der stärkste. Erst wenn mich ein Bild anspricht, versuche ich es zu analysieren (Wirkung, Kontext, Techik, Aufbau, etc.). Es ist mit Fotos ähnlich wie mit anderen Kunstwerken, egal ob „Moderne Kunst“ oder „Alte Meister“.
    Ein Bild spricht mich an, oder es spricht mich nicht an (gleich wie die Technik ausgeführt ist). Ein Vergleich aus der Malerei. Mir persönlich gefallen Bilder von Paul Cezanne besser als Bilder von Vincent van Gogh, aber das bedeutet nicht, dass Cezanne besser ist als van Gogh. Es ist mein „subjektiver“ Eindruck der mich zu diesem Resultat kommen lässt. Ähnlich ist es auch mit dem Betrachten und auch Beurteilen von Fotografien. Jeder hat seine eigenen Vorlieben, und daher wird ein jeder andere Bilder bevorzugen, ohne dass Bilder die Ihm (Ihr) nicht so gut gefallen schlecht sind. Es ist alles eben subjektiv, auch wenn es für die Beurteilung und Bewertung Kriterien gibt (die sich in der künstlerischen Fotografie allerdings oft aufheben).
    Dem Kommentar von Wilhelm Böhm (sich den allgemeinen Richtlinien anzupassen …) kann ich nur zustimmen. Ich versuche meine, wie schon erwähnt, subjektvie Wahrnung umzusetzten.
    Wenn die dadurch entstandenen Bilder zusätzlich noch weiteren Betrachten ebenfalls gefallen, dann um so besser.

  3. Wilhelm Böhm sagt:

    Der Artikel ist einerseits sehr informativ, andererseits extrem kommerziell orientiert. Natürlich gibt es unterschiedliche Zielgruppen in der Welt der Fotografie. Sich den allgemeinen Richtlinien anzupassen bedeutet aus meinem Verständnis jedoch keinen eigenen Stil zu entwickeln und als Nachmacher absolut verwechselbar zu bleiben. Wären Fotografen wie David Hamilton, Helmut Newton oder andere unzählige bekannte Fotografinnen und Fotografen bekannt geworden, wenn sie aufgrund von Katalogstudien agiert hätten? Ich bezweifle das.

    Gerade die Fotografie ist als neues digitales und nunmehr schnelles Medium dazu auserkoren neue Trends hervorzubringen und althergebrachte Sichtweisen zu revolutionieren.

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